„Neue Mitte“ Moisling

Teaser
Der Bereich der "Neuen Mitte" (Luftbild: Hansestadt Lübeck)

Eine „Neue Mitte“ für Moisling

Lageplan des Siegerentwurfs für die „Neue Mitte“ Moisling (Darstellung: Zastrow + Zastrow Architekten + Stadtplaner und Brien - Wessels – Wernig)
Lageplan des Siegerentwurfs für die „Neue Mitte“ Moisling (Darstellung: Zastrow + Zastrow Architekten + Stadtplaner und Brien – Wessels – Wernig)

Moisling soll ein neues Stadtteilzentrum bekommen. Der Bereich zwischen Sterntalerweg, Hasselbreite, Moislinger Mühlenweg, Kiwittredder und der Brücke Oberbüssauer Weg soll in den nächsten Jahren umgestaltet werden. Das Förderprogramm „Sozialer Stadt“, die Planungen der Eigentümer:innen und der zukünftige Bahnhaltepunkt bieten die große Chance, hier eine „Neue Mitte“ für Moisling zu schaffen.

2019 wurde ein sogenannter städtebaulich-freiraumplanerischer Wettbewerb mit verschiedenen Teams aus Stadt- und Landschaftsplaner:innen durchgeführt, um möglichst viele unterschiedliche Ideen für das neue Stadtteilzentrum zu entwickeln. Der Siegerentwurf der Architektur- und Planungsbüros Zastrow + Zastrow (Kiel) und Brien – Wessels – Wernig (Lübeck) ist nun die Grundlage für die weitere Entwicklung der „Neuen Mitte“. Die Hansestadt Lübeck beauftragte die beiden Büros, einen städtebaulichen Rahmenplan und einen Bebauungsplan (kurz B-Plan) zu erarbeiten.

Ein städtebaulicher Rahmenplan…

… ist gewissermaßen die Konkretisierung des vorliegenden Entwurfes. Er setzt den städtebaulichen, gestalterischen und funktionalen Rahmen, wie sich das Gebiet der „Neuen Mitte“ entwickeln soll. Der Entwurf wird also an einzelnen Stellen „nachjustiert“ – zugleich erfolgt eine intensive Abstimmung von wichtigen Themen wie z.B. Verkehr, Nutzungen oder Freiraum. Im Vordergrund steht dabei die Realisierbarkeit der vorgesehenen Planungen: Mit dem Bau eines Stadtteilhauses inklusive Stadtteilbüro und Bibliothek, einer neuen Kindertagesstätte mit Familienzentrum, eines öffentlichen Stadtteilplatzes, einem neuen Supermarkt und mehreren neuen Wohngebäuden sind schließlich viele neue Gebäude vorgesehen. Diese sollen allesamt ein neues Zentrum bilden. Dazu tauschen sich die Hansestadt Lübeck mit ihren zuständigen Fachstellen, die Planungsbüros sowie die Eigentümer:innen der Grundstücke gemeinsam aus. Konkret wird beispielsweise betrachtet, welche Nutzungen in den Gebäuden sinnvoll sind oder wie man die verschiedenen Verkehre (Busse, Pkw, Radfahrer:innen und Fußgänger:innen) in der „Neuen Mitte“ organisieren kann. Der Rahmenplan liefert in einem nächsten Schritt die Inhalte für den B-Plan und ist zugleich eine Grundlage des sog. städtebaulichen Sanierungsverfahrens, weil viele der o.g. Planungen als Fördermaßnahmen der „Sozialen Stadt“ errichtet werden sollen.

Ein neuer B-Plan…

Der Geltungsbereich des neuen B-Plans
21.01.00 (Hansestadt Lübeck)
… regelt, wie Grundstücke bebaut und genutzt werden dürfen, welche Eigenschaften Gebäude haben müssen und welche Abstände einzuhalten sind. Für die Aufstellung eines B-Plans ist immer die Gemeinde zuständig. Die Hansestadt Lübeck stellte Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre für nahezu ganz Moisling B-Pläne auf. Diese B-Pläne waren notwendig, damit der Stadtteil neu errichtet werden konnte. So gilt für den Bereich um Oberbüssauer Weg und Kiwittredder nach wie vor der Bebauungsplan von 1971 (Nr. 21.03.00 – „Moisling / Mühlenberg“). Die Vorgaben des bestehenden B-Plans lassen jedoch nicht zu, dass in diesem Bereich ein neues Stadtteilzentrum mit Geschäften und einem Stadtteilhaus entsteht kann. Daher muss ein neuer B-Plan aufgestellt werden.

Am 15. März 2021 beschloss der Bauausschuss der Hansestadt Lübeck, dass ein neuer B-Plan mit dem Namen „21.01.00 Oberbüssauer Weg/Neue Mitte Moisling“ aufgestellt werden soll. Der neue B-Plan umfasst den Bereich nördlich der Bahngleise zwischen Oberbüssauer Weg/Niendorfer Straße und Kiwittredder/Hasselbreite. Die im Rahmenplan erarbeiteten Inhalte fließen in diesen „neuen“ B-Plan ein.

Wie geht es weiter?

Mit dem politischen Beschluss leitete der Bauausschuss ein förmliches Verfahren ein, um Vorgaben für den Bau der „Neuen Mitte“ zu schaffen. Alle Bauherr:innen in der „Neuen Mitte“ müssen sich künftig an diese Vorgaben halten. Der B-Plan schafft also Baurecht. Ein Bebauungsplanverfahren verläuft in verschiedenen Schritten ab und dauert üblicherweise zwei bis drei Jahre. Das Gesetz legt fest, dass interessierte Bürger:innen Moislings ihre Einwände, Bedenken und Vorschläge zum Entwurf des neuen B-Plans einbringen können. Über die Homepage, die Stadtteilzeitung und auf den Sitzungen des Beirats wird fortlaufend über den Prozess informiert.

Die Schaufenster dienen vorübergehend als Info-Tafeln
Die Umsetzung der „Neuen Mitte“ Moisling geht mit großen Baustellen einher: Dabei müssen Gebäude erneuert und umgebaut (z.B. das Hochhaus Sterntalerweg 1-3) oder auch alte Gebäude abgerissen werden. Ende letzten Jahres wurde der Penny-Markt im Moislinger Mühlenweg 66 geschlossen. Dieses Gebäude soll abgerissen werden, da an dieser Stelle in Zukunft der neue Stadtteilplatz entstehen wird. In der „Neuen Mitte“ ist ein neuer Supermarkt geplant, damit die umliegenden Bewohner:innen weiterhin zu Fuß ihre Einkäufe erledigen können. Der Abriss des Gebäudes soll noch in diesem Jahr erfolgen. Anlässlich des deutschlandweit stattfindenden Tags der Städtebauförderung weihten Anfang Mai 2021 Bausenatorin Joanna Hagen, Dr. Matthias Rasch (Grundstücks-Gesellschaft TRAVE), Achim Selk und Alexander Matzka (Fachbereich 5 Planen und Bauen) und Quartiersmanagerin Karina Meißner bei einem Pressegespräch die neugestalteten Schaufenster des ehemaligen Penny-Markts offiziell ein. Diese kommen als Info-Tafeln einher, die unter dem Motto „Schau in die Zukunft“ vorübergehend ansprechend und niedrigschwellig über die aktuellen Planungen zur „Neuen Mitte“ in Moisling informieren.

Um die „Neue Mitte“ umsetzen zu können, müssen Gespräche mit den Eigentümer:innen, Investor:innen und Einrichtungen geführt werden. Nicht zuletzt sind die Planungen zur „Neuen Mitte“ und zum Bahnhaltepunkt aufeinander abzustimmen. Es dauert also noch, bis die „Neue Mitte“ sichtbar wird.

Was ist für die „Neue Mitte“ Moisling geplant?

Zentrales Element der „Neuen Mitte“ ist ein neuer Stadtteilplatz. Der öffentliche Stadtteilplatz wird durch mehrere Gebäude eingefasst – u.a. durch ein Stadtteilhaus, in dem Stadtteilbüro und -bibliothek sowie Beratungsstellen untergebracht werden sowie einem großen Supermarkt mit weiteren, kleineren Geschäften. Über dem Supermarkt sollen neue Wohnungen entstehen.

Direkt am Moislinger Mühlenweg ist eine Seniorenwohnanlage vorgesehen. Eine neue Kita mit Familienzentrum soll auf dem derzeit brachliegenden Grundstück an der Ecke Eulenspiegelweg/Oberbüssauer Weg entstehen.

An die Seniorenwohnanlage schließen sich weitere Wohngebäude an. Zwischen den Häusern entstehen neue Freiräume. Die Höhe der Gebäude in diesem Bereich soll drei bis vier Geschosse betragen.

Ein breiter Fuß- und Radweg parallel zum Oberbüssauer Weg – die „Stadtachse“ – bildet eine wichtige fußläufige Verbindung zwischen Stadtteilplatz und Bahnhaltepunkt: Die „Stadtachse“ verbindet den Haltepunkt mit dem Stadtteil und führt weiter zum Grünzug „Auf der Kuppe“ und zum Wilhelm-Waterstrat-Weg.

Der Bahnhaltepunkt soll auch von der Brücke Oberbüssauer Weg erreicht werden können, zumal sich dort zukünftig die Bushaltestelle befinden. Hier ist ein Gebäude vorgesehen, welches den Eingang zum Stadtteil markiert. In ihm sind vor allem Treppen, Rampen und Fahrradstellplätze untergebracht.

Der Moislinger Mühlenweg bleibt in seiner Straßenführung erhalten und ist weiterhin für den Bus- und Autoverkehr nutzbar.

Was bisher geschah:

Modellbauaktion an drei Standorten im Stadtteil

Bereits im Oktober 2016 beteiligte das Quartiersmanagement im Rahmen einer Modellbauaktion Bewohner:innen zum Vorhaben „Neue Mitte Moisling“, um wichtige Impulse aus dem Stadtteil in die Auslobung des Wettbewerbs einzubringen.

Informationsveranstaltung und Wahl von Vertreter:innen für das Preisgericht

Bei einer Informationsveranstaltung am 29. August 2019 wurde in Moisling über das Verfahren des Städtebaulichen Wettbewerbs und die Inhalte der Auslobung informiert. Zudem wurden Stadtteilvertreter:in gewählt, die bei dem Preisgericht mitentscheiden und die Meinung des Stadtteils einbringen konnten.
Der Infoflyer zum städtebaulichen Wettbewerb „Neue Mitte“ Moisling ist hier abrufbar.

Wie lief der Wettbewerb ab?

Der städtebaulich-freiraumplanerische Wettbewerb startete im August 2019 und umfasste zwei Phasen.

In der ersten Phase entwickelten mehrere Planungsbüros entwickelten unterschiedliche Ideen für das zukünftige Stadtteilzentrum. Diese Ideen wurden anonym eingereicht, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten. Am Ende der ersten Phase entschied das Preisgericht im Oktober 2019, dass vier eingereichte Beiträge weiter bearbeitet werden sollten.

Die ausgewählten Büros hatten nun die Aufgabe, ihre Entwürfe in der zweiten Phase zu konkretisieren. Am 13. Dezember 2019 wählte das Preisgericht aus vier Entwürfen einen Siegerentwurf aus.

Offizielle Preisverleihung im Stadtteil

Am 8. Januar 2020 fand dazu die offizielle Preisverleihung im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung im Vereinsheim Rot-Weiß Moisling statt. Auch die Presse wurde über die Ergebnisse des städtebaulichen Wettbewerbs informiert. Im Anschluss wurden die Wettbewerbsergebnisse zwei Tage lang im Soziale-Stadt-Büro ausgestellt. Bewohner:innen hatten die Möglichkeit sich die großen Pläne in Ruhe anzusehen und Rückfragen zu den städtebaulichen Darstellungsformen zu stellen.

Die Schaffung der „Neuen Mitte“ ist die zentrale städtebauliche Sanierungsmaßnahme in Moisling und das Schlüsselprojekt für die Stadtteilentwicklung. Sie umfasst den Abriss und Neubau von Gebäuden und mündet in mehreren einzelnen Fördermaßnahmen. Die Fördermaßnahmen werden mit Geldern des Städtebauförderprogramms „Soziale Stadt“ finanziert. Jeweils ein Drittel davon wird von Bund, Land und Kommune getragen.

Stand: Mai 2021